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KI-Video im Marketing: Workflow, Beispiele, Best Practices

Oct 4, 2026

Warum KI-Video Marketingteams strukturell verändert

Videoproduktion war lange ein Nadelöhr: Drehbuch, Location, Kamera, Licht, Ton, Schnitt, Freigabe. Jede inhaltliche Änderung bedeutete einen neuen Drehtag oder mindestens einen neuen Termin im Schnitt. Diese Reibung ist in vielen Bereichen verschwunden. Ein Skript lässt sich heute in Minuten in bewegte Bilder übersetzen, Varianten entstehen per Knopfdruck, und eine Iterationsschleife, die früher zwei Wochen dauerte, passt in einen Nachmittag.

Drei Verschiebungen tragen diese Entwicklung. Erstens sind die Kosten für einen ersten Entwurf drastisch gesunken. Zweitens ist die Iterationsgeschwindigkeit gestiegen: Statt über einen finalen Spot zu diskutieren, kann ein Team zehn Einstiege gegeneinander testen. Drittens werden Videos zunehmend kanalspezifisch zugeschnitten – vertikal für Feed-Platzierungen, quadratisch für Overlays, stumm lesbar durch Untertitel, mehrsprachig für internationale Rollouts.

Gleichzeitig entsteht ein neues Problem: Angleichung. Wenn viele Teams dieselben Modelle mit ähnlichen Eingaben füttern, sehen die Ergebnisse ähnlich aus. Differenzierung verschiebt sich damit von der reinen Produktionsfähigkeit hin zu Konzept, Markenführung, Schnittrhythmus, Sounddesign und Distribution. Wer KI-Video als Sammlung von Werkzeugen begreift, produziert austauschbares Material. Wer es als Pipeline begreift, produziert Varianten mit Haltung.

Der folgende Leitfaden beschreibt einen werkzeugneutralen Workflow – von der Aufgabenanalyse über die Produktion bis zu Kennzahlen, Fehlerquellen und rechtlichen Fragen. Er ist bewusst als Entscheidungshilfe aufgebaut, nicht als Werkzeugkatalog. Wer ihn einmal durchläuft, hat am Ende eine Vorlage, die sich auf jede Kampagne übertragen lässt, unabhängig davon, welche Modelle morgen verfügbar sind.

Die Entscheidungsmatrix: Aufgabe, Modelltyp, Kontrollniveau

Der häufigste Fehler in Teams ist Sammlung statt Auswahl. Zehn Werkzeuge werden ausprobiert, jedes liefert ein anderes Look-and-feel, eigene Renderzeiten, eigene Ausgabeformate und eigene Grenzen bei Länge, Auflösung oder Bildrate. Das Ergebnis ist ein Flickenteppich, der sich nicht wiederholen lässt. Besser ist eine bewusste Zuordnung: zwei bis drei Kernwerkzeuge für klar definierte Aufgaben, ergänzt um Schnitt-, Grafik- und Audiowerkzeuge, die unabhängig vom Generierungsmodell funktionieren.

Vier Grundtypen und ihre Stärken

Text-zu-Video eignet sich für Stimmungsbilder, abstrakte Sequenzen, Hintergründe und visuelle Metaphern. Für konkrete Produkte ist der Ansatz meist zu unkontrolliert, weil Details wie Beschriftungen, Logos oder Materialoberflächen selten stabil bleiben.

Bild-zu-Video ist der beste Kompromiss, wenn Konsistenz zählt. Ein freigestelltes Produktfoto, ein Charakter-Referenzbild oder ein Styleframe wird animiert. Das reduziert Überraschungen deutlich, weil Form, Farbe und Perspektive bereits festgelegt sind. Für Kataloge, Serien und wiederkehrende Formate ist das der Standardweg.

Avatar- und Sprecher-Modelle tragen erklärende Inhalte, Onboarding-Strecken, Schulungsvideos und Lokalisierungen. Sie sind stark, wenn der Text sitzt und die Bildsprache ruhig bleibt. Wird zu viel Bewegung oder Perspektivwechsel um eine sprechende Figur gelegt, kippt die Glaubwürdigkeit schnell.

Motion- und Schnittwerkzeuge übernehmen alles, was Präzision braucht: Textanimation, Untertitel, Timing, Audio-Synchronisation, Markenelemente, Preisangaben, Rechtseinblendungen. Diese Ebene ist der eigentliche Qualitätshebel – sie ist unabhängig von Generierungsmodellen und macht Rohmaterial erst markenfähig.

Sieben Auswahlkriterien für jedes Modell

Bevor ein Werkzeug in die Pipeline kommt, lohnen dieselben sieben Prüffragen:

  1. Einstelllänge: Wie viele Sekunden hält eine Szene, bevor sie visuell kippt oder zu flackern beginnt?
  2. Detailtreue: Wie stabil bleiben Hände, Text, Spiegelungen und dünne Strukturen?
  3. Konsistenz: Wie gut lassen sich Figuren, Räume und Lichtstimmung über mehrere Einstellungen halten?
  4. Rücklaufzeit: Wie schnell kommt ein Ergebnis zurück, wenn nur ein Satz im Skript geändert wird?
  5. Ausgabeformate: Welche Seitenverhältnisse, Auflösungen und Bildraten sind nativ verfügbar?
  6. Rechte: Welche Nutzungsrechte sind an Ergebnisse und Referenzmaterial gebunden?
  7. Integration: Wie aufwendig ist die Übergabe an Schnitt, Asset-Verwaltung und Freigabeprozess?

Ein Modell, das bei Punkt zwei und fünf stark ist, aber bei Punkt vier schwach, taugt für statische Kampagnen und nicht für Performance-Tests mit wöchentlichem Rhythmus. Diese Zuordnung ist wichtiger als jede Rangliste.

Wann ein hybrider Aufbau überlegen ist

Die überzeugendsten Kampagnen mischen reales Material mit generierten Elementen. Ein Interview mit echten Mitarbeitenden plus generierte B-Roll. Screen-Recordings plus synthetische Stimme. Produktfotos in Studioqualität plus generierte Umgebungen. Diese Mischung wirkt glaubwürdiger als vollständig synthetische Welten und ist deutlich günstiger als ein vollständiger Dreh. Als Faustregel gilt: Alles, was Vertrauen trägt – Gesichter, Hände am Produkt, Zitate, Zahlen – bleibt real. Alles, was Atmosphäre, Tempo und Umgebung liefert, darf generiert sein.

Der Produktionszyklus in acht Stationen

Ein wiederholbarer Prozess ist wertvoller als das beste Einzelwerkzeug. Die folgenden acht Stationen haben sich in der Praxis bewährt und funktionieren für Kampagnen jeder Größe – vom einzelnen Social-Clip bis zum mehrsprachigen Produktlaunch.

1. Briefing und Zieldefinition

Bevor ein Prompt geschrieben wird, stehen Zweck, Publikum, Platzierung, Länge und Kennzahl fest. Ein brauchbares Briefing passt auf eine Seite: Was soll die Zielgruppe nach dem Video tun? Wo wird es ausgespielt? Wie lang darf es sein? Welche Aussage ist nicht verhandelbar? Welche Markenregeln gelten? Welche Belege dürfen verwendet werden? Ohne diese Klarheit produziert jedes generative System eine große Menge hübscher, aber zielloser Varianten.

2. Skript und Hook-Varianten

Aus dem Briefing entstehen drei alternative Einstiege – unterschiedliche Perspektiven, nicht unterschiedliche Wortwahl. Der Einstieg muss in den ersten zwei Sekunden funktionieren, ohne Logo-Intro und ohne Vorgeschichte. Danach folgt ein Mittelteil mit maximal zwei Argumenten und ein Abschluss mit einer einzigen Handlungsaufforderung. Ein 30-Sekunden-Skript umfasst typischerweise 70 bis 85 Wörter gesprochenen Text. Wer mehr hineinpackt, verliert Tempo und Klarheit.

3. Shotlist und Storyboard

Für 30 Sekunden reichen acht bis vierzehn Einstellungen. Jede Einstellung bekommt genau eine Aufgabe: Aufmerksamkeit, Problem, Lösung, Beweis, Handlung. Diese Liste ist zugleich Arbeitsanweisung für die Generierung und Grundlage für die Freigabe. Wer hier spart, diskutiert später über Details statt über Wirkung – der teuerste Umweg im ganzen Prozess.

4. Batch-Generierung und Auswahl

Generiert wird in Stapeln. Pro Einstellung entstehen mehrere Varianten, ausgewählt wird nach festgelegten Kriterien: Passt die Bewegung zur Aussage? Ist das Produkt korrekt dargestellt? Wirken Hände, Text und Kanten sauber? Ein typischer Anfängerfehler ist, die erste brauchbare Variante sofort zu verfeinern. Effizienter ist eine breite Auswahl und eine späte, harte Entscheidung.

5. Schnitt, Ton, Untertitel

Die Wahrnehmung eines Videos wird stark vom Ton bestimmt. Musik, Atmosphäre, Voice-over und Geräusche entscheiden über Tempo und Emotion. Untertitel sind Pflicht, weil ein großer Teil der Zuschauer ohne Ton startet. Texteinblendungen bleiben groß, kurz und kontrastreich – drei bis fünf Wörter pro Einblendung. Zusätzlich lohnt ein Sicherheitsrand von etwa zehn Prozent an allen Seiten, damit Elemente in keinem Player abgeschnitten werden.

6. Lokalisierung als geplante Ebene

Lokalisierung ist mehr als Übersetzung. Visuell bleibt vieles identisch, aber Text im Bild, Stimme, Sprechtempo, Währung, Maßeinheiten und kulturelle Referenzen müssen angepasst werden. Ein sauberer Weg: ein Mastervideo mit getrennten Ebenen für Text, Voice-over und Musik, sodass neue Sprachversionen ohne Neuaufbau entstehen. Wird die Textebene nicht von Anfang an separat geführt, bedeutet jede Sprache einen kompletten Neuaufbau.

7. Versionierung und Ausspielung

Versionierung ist kein Bürokratieakt, sondern Voraussetzung für Lernen. Dateinamen nach dem Muster Kampagne_Thema_Einstieg_Variante_Format_Laufzeit verhindern, dass Ergebnisse im Chaos verschwinden. Zusätzlich hilft eine schlichte Tabelle mit Spalten für Variante, Kanal, Startdatum, Budget und Status. Nach zwei Wochen ohne solche Struktur weiß niemand mehr, welche Fassung wo lief.

8. Auswertung und nächste Iteration

Die Auswertung erfolgt nach einem festen Ritual, nicht spontan. Nach sieben bis zehn Tagen werden die schwächsten Varianten abgeschaltet und die stärksten weiterentwickelt. Wichtig ist, aus jeder Runde genau eine Erkenntnis zu dokumentieren, die im nächsten Briefing landet. So entsteht über Monate ein interner Wissensspeicher, der mehr wert ist als jedes einzelne Modell.

Drei Praxis-Szenarien mit konkreten Zahlen

E-Commerce: Variantenbreite statt Perfektion

Ein typisches Muster: sechs Hauptprodukte, je drei Einstiege und je zwei Formatvarianten ergeben 36 Ausspielungen. Die Mechanik, die hier wirkt, ist nicht die Generierung selbst, sondern die Bandbreite. Statt einen Spot zu optimieren, wird eine Auswahl getroffen. Produktbilder werden als Startframes animiert, die Umgebung wird generiert, Text, Preis und Rechtseinblendungen kommen aus der Schnittsoftware.

Die Gewinner-Varianten werden anschließend mit realem Studio-Material aufgewertet – ein zweistufiges Verfahren, das Budget schont. In vergleichbaren Setups stammen die berichteten Zuwächse bei der Interaktionsrate meist aus drei Hebeln: mehr passgenaue Einstiege pro Zielgruppe, schnellere Reaktion auf Trends und weniger Streuverlust durch kontinuierliches Aussortieren. Entscheidend ist, dass die Produktdarstellung nie dem Zufall überlassen bleibt: Ein unscharfes Etikett oder eine falsche Verschlussform kostet mehr Vertrauen, als eine schöne Kamerafahrt gewinnt.

B2B: Erklärvideo mit ruhiger Bildsprache

B2B-Video lebt von Klarheit, nicht von Effekten. Bewährt hat sich eine Kombination aus Sprecher-Aufnahme, abstrakter Animation für Prozesse, Screenshots des Produkts und einem klaren Fazit. Länge: 60 bis 90 Sekunden für die Landingpage, 20 bis 30 Sekunden für Social-Platzierungen. Wichtig ist ein konsistentes Sprechtempo und ein Skript ohne Fachjargon – jede Abkürzung muss beim ersten Auftreten erklärt werden.

Die Lokalisierung in drei bis fünf Sprachen ist hier besonders wirtschaftlich, weil nur Voice-over und Text ausgetauscht werden. Ein Nebeneffekt, der häufig unterschätzt wird: Die Übersetzung deckt Schwächen im Original auf. Sätze, die sich nicht sauber übertragen lassen, sind meistens auch im Ausgangstext zu verschachtelt.

App und Performance: bewusst native Ästhetik

Performance-Kampagnen für Apps funktionieren am besten in einer bewusst unperfekten Anmutung: vertikales Format, direkte Ansprache, sichtbare Bedienung des Produkts, Untertitel, schneller Schnitt. Generierte Elemente werden sparsam für Übergänge und Hintergründe genutzt, der Kern bleibt die Produktdemonstration. Der Iterationsrhythmus ist hier am höchsten: zwei neue Einstiege pro Woche sind realistisch, wenn die Vorlagen stehen.

Wichtig ist eine klare Trennung zwischen Kreation und Auslieferung. Wer das Tempo erhöht, ohne Abbruchregeln zu definieren, produziert mehr Material mit gleicher Wirkung – ein häufiges Missverständnis, das Budget frisst und Erkenntnisse verhindert.

Kennzahlen, Testdesign und Abbruchregeln

Die vier Kernmetriken

Für kurze Videoformate sind vier Werte aussagekräftig:

  • Einstiegsrate: Anteil der Zuschauer, die nach drei Sekunden noch dabei sind.
  • Durchschnittliche Wiedergabezeit: zeigt, ob der Mittelteil trägt.
  • Klickrate: misst die Qualität der Handlungsaufforderung.
  • Kosten pro Ergebnis: verbindet Kreation mit Wirtschaftlichkeit.

Für längere Formate kommen Abschlussrate, assistierte Conversions und Markenbekanntheit hinzu. Wichtig ist, nicht alles gleichzeitig zu optimieren. Ein Video kann nicht gleichzeitig maximale Einstiegsrate und maximale Abschlussrate haben; die Priorität folgt aus dem Ziel. Ein Produktlaunch priorisiert Wiedergabezeit, eine Performance-Kampagne die Klickrate.

Testarchitektur in zwei Stufen

Ein Test braucht eine Variable, ausreichend Volumen und gleiche Rahmenbedingungen. Wer gleichzeitig Einstieg, Musik und Schnittlänge ändert, lernt nichts. Praktikabel ist ein zweistufiges Vorgehen: zuerst Einstiege gegeneinander, dann die beste Struktur verfeinern. In Stufe eins bleibt alles identisch außer den ersten Sekunden. In Stufe zwei variieren Mittelteil, Länge oder Musik – aber jeweils nur eine Größe.

Eine einfache Entscheidungsregel hilft: Eine Variante gilt als Gewinner, wenn sie über mindestens zwei aufeinanderfolgende Auswertungsfenster besser liegt. Einzelne Ausschläge sind meist Zufall und führen zu nervösen Entscheidungen.

Abbruchkriterien und Holdouts

Ohne Abbruchkriterium züchtet ein Team Zombie-Kampagnen. Definieren Sie vor dem Start, unter welchem Wert eine Variante abgeschaltet wird – etwa: unter 20 Prozent Einstiegsrate nach zwei Tagen. Reserven für einen Holdout helfen, den Gesamteffekt von Saisonalität und Marketingschwankungen zu trennen. Auch ein kleines Kontingent ohne die neue Kreation liefert wertvolle Vergleichswerte.

Rollen, Vorlagen und Skalierung ohne Beliebigkeit

Fünf Rollen im Produktionsverbund

Skalierung beginnt mit Standardisierung. Ein Team aus fünf Rollen verhindert, dass sie in Beliebigkeit kippt:

  • Briefing-Owner: verantwortet Ziel, Publikum und Kennzahl.
  • Prompt-Lead: verantwortet Konsistenz, Modellwahl und Referenzmaterial.
  • Editor: verantwortet Rhythmus, Ton, Untertitel und Formate.
  • Brand-Review: verantwortet Marken- und Rechtskonformität.
  • Performance-Analyst: verantwortet Auswertung und die nächste Iteration.

In kleinen Teams werden Rollen gebündelt, aber nicht gestrichen. Kritisch ist die Trennung zwischen Kreation und Prüfung: Wer sein eigenes Material freigibt, übersieht genau die Fehler, die Außenstehende zuerst bemerken.

Styleguide, Vorlagenbibliothek, Prompt-Bibliothek

Ein Marken-Styleguide für Video definiert Farben, Typografie, Übergänge, Musikcharakter, Sprechtempo und verbotene Elemente. Darauf aufbauend entsteht eine Vorlagenbibliothek: Intro, Outro, Untertitelstile, Preiseinblendungen, Formate in 9:16, 1:1 und 16:9. Die Prompt-Bibliothek dokumentiert Formulierungen, die konsistent funktionieren – versioniert und mit Beispielergebnissen versehen.

Referenzbilder sind dabei der wichtigste Baustein. Ein einmal freigegebenes Produkt- oder Charakterbild als Startpunkt für jede Szene reduziert Abweichungen stärker als jede textliche Beschreibung. Styleframes legen Licht, Farbe und Materialität bildlich fest, statt sie in Adjektiven zu umschreiben.

Freigaben in einer Runde

Freigaben erfolgen in einer Runde, nicht in fünf. Wer jede Variante einzeln absegnet, verliert genau den Geschwindigkeitsvorteil, der den Einsatz generativer Werkzeuge rechtfertigt. Sinnvoll ist ein Sammelreview mit klarer Ampellogik: grün für Ausspielung, gelb für Nachbearbeitung, rot für Verwerfen. Jede rote Entscheidung braucht einen Grund in einem Satz – das ist die Grundlage der Prompt-Bibliothek.

Recht, Ethik und Kennzeichnung

Vier Themen sollten vor der ersten Ausspielung geklärt sein. Erstens Persönlichkeitsrechte: Gesichter und Stimmen realer Personen dürfen nicht ohne Zustimmung nachgebildet werden, auch nicht testweise. Zweitens Kennzeichnung: Wo Plattformregeln oder Werberichtlinien eine Offenlegung synthetischer Inhalte verlangen, sollte sie sichtbar und ohne Kleingedrucktes erfolgen. Drittens Rechte am Ergebnis: Nutzungsbedingungen unterscheiden sich erheblich, besonders bei kommerzieller Verwendung und bei Referenzbildern. Viertens Werberecht: Aussagen zu Wirkung, Preis und Verfügbarkeit bleiben in der Verantwortung des Unternehmens, unabhängig davon, wer sie formuliert hat.

Zusätzlich lohnt ein Blick auf Musiklizenzen, auf die Herkunft von Referenzmaterial und auf die Frage, ob die Datenbasis eines Werkzeugs für sensible Branchen unproblematisch ist. In regulierten Feldern – Gesundheit, Finanzen, Bildung – gehört diese Prüfung ins Onboarding und nicht in die Nachbereitung. Ein einseitiges internes Merkblatt mit den fünf wichtigsten Regeln verhindert die meisten Fehler.

Zehn typische Fehler und ihre Korrektur

  1. Zu viel Bewegung. Generierte Modelle lieben Kamerafahrten. Markenwirksame Videos sind oft ruhiger, als sie zunächst wirken. Korrektur: Bewegung nur, wenn sie eine Aussage trägt.
  2. Kein Tonkonzept. Musik wird zuletzt ausgewählt und wirkt dann beliebig. Korrektur: Klangcharakter im Briefing festlegen.
  3. Synthetische Gesichter für Vertrauensthemen. Für Beratung, Gesundheit und Finanzen wirkt reales Material glaubwürdiger. Korrektur: echte Sprecher aufnehmen, generierte Bilder nur für Umgebung.
  4. Unlesbare Untertitel. Zu klein, zu schnell, zu nah am Bildrand. Korrektur: feste Untertitelvorlage mit Mindestgröße und Sicherheitsrand.
  5. Zu viele Botschaften. Ein Video, eine Aussage. Korrektur: Mittelteil auf zwei Argumente begrenzen.
  6. Keine Versionierung. Nach zwei Wochen ist unklar, was wo lief. Korrektur: Namenskonvention und Kampagnentabelle.
  7. Ungeprüfte Aussagen. Generative Systeme formulieren selbstbewusst, auch wenn Zahlen falsch sind. Korrektur: Faktencheck durch die Fachabteilung.
  8. Lokalisierung erst am Ende. Wer Text im Bild nicht als separate Ebene plant, baut alles neu. Korrektur: Ebenen von Beginn an trennen.
  9. Trends hinterherlaufen. Ein Audio-Trend ist meist nach wenigen Wochen abgenutzt. Korrektur: Trends nur aufnehmen, wenn sie zur Marke passen.
  10. Kein Abbruchkriterium. Korrektur: Schwellenwert vor dem Start festlegen und dokumentieren.

Wer diese zehn Punkte in einer Checkliste vor jeder Freigabe abarbeitet, verhindert den größten Teil vermeidbarer Nacharbeit. Die Liste ist bewusst kurz gehalten, damit sie tatsächlich verwendet wird.

FAQ

Wie viele Videos braucht eine Kampagne wirklich?
Weniger als die meisten denken. Drei Einstiege und zwei Formate pro Kernaussage sind ein guter Start. Wichtiger als die Menge ist ein klarer Abbruchmechanismus.

Kann KI-Video einen echten Dreh ersetzen?
Teilweise. Für abstrakte, stilisierte oder schnelllebige Inhalte ja. Für Vertrauensthemen, Persönlichkeiten und Produkte mit hoher Detailtreue bleibt reales Material oft überlegen.

Wie lang sollte ein Social-Video sein?
So lang wie nötig, um eine Aussage zu belegen. 15 bis 30 Sekunden decken die meisten Performance-Ziele ab. Alles darüber braucht eine starke Begründung und einen klaren dramaturgischen Aufbau.

Wie oft sollte man Varianten austauschen?
Bei hoher Ausspielung wöchentlich, bei ruhigeren Kampagnen alle zwei bis drei Wochen. Ein festes Auswertungsritual ist wichtiger als die Frequenz.

Was ist der größte Hebel für Qualität?
Referenzbilder und ein sauberes Skript. Beide kosten wenig Zeit und verbessern das Ergebnis stärker als jede Modelloptimierung.

Wie geht man mit Markenkonformität bei generierten Bildern um?
Mit einem visuellen Styleguide und einer kurzen Prüfliste. Kritisch sind Farbwerte, Typografie, Logo-Abstände und verbotene Bildmotive. Alles andere ist Geschmack und kann schneller entschieden werden.

Wie startet ein Team ohne Vorerfahrung?
Mit einem einzigen Anwendungsfall, einem Format und einer Kennzahl. Erst wenn der Prozess stabil läuft, kommen weitere Modelle, Formate und Sprachen hinzu.

Braucht man für Lokalisierung separate Kampagnen?
Nein, aber separate Ebenen. Ein Mastervideo mit getrennten Text-, Voice-over- und Musikspuren erzeugt neue Sprachversionen in Stunden statt Tagen.

Ihr 30-Tage-Fahrplan

Woche eins: Briefing-Vorlage, Videostyleguide und Prompt-Bibliothek anlegen. Zusätzlich die fünf wichtigsten Rechtsregeln als internes Merkblatt festhalten. Woche zwei: ein Produkt oder eine Aussage mit drei Einstiegen in einem Format produzieren und ausspielen. Woche drei: Auswertung, Aussortieren, beste Struktur verfeinern – und die eine Erkenntnis dokumentieren, die ins nächste Briefing wandert. Woche vier: zweites Format ergänzen und eine Sprachversion ableiten.

Der eigentliche Gewinn liegt nicht in der Geschwindigkeit einzelner Generierungen, sondern in der Fähigkeit, systematisch Varianten zu produzieren und schnell zu lernen. Teams, die das beherrschen, brauchen weniger Budget pro Aussage und reagieren schneller auf Marktveränderungen. Teams, die nur Werkzeuge sammeln, produzieren mehr Material mit gleicher Wirkung. Der Unterschied liegt im Workflow – und der lässt sich planen, dokumentieren und weitergeben.

Wer nach den ersten vier Wochen Bilanz zieht, sollte drei Fragen beantworten: Welche Einstellung hat am häufigsten funktioniert? Welche Station im Zyklus hat die meiste Zeit gekostet? Und welche Regel aus dieser Runde gehört dauerhaft in die Vorlage? Damit wird aus einem einmaligen Experiment ein Verfahren, das auch dann noch trägt, wenn die Modelle und Plattformen längst andere sind.

Alexander

Alexander